Grenzgeflüster, 2021

Installation
Material: 2 Laternen, Elektronik, Rhein, Brücke

Nach Sonnenuntergang, in den späten Abendstunden, entfaltet die Arbeit von Esther Kempf ihre volle Poesie und ihre geheimnisvolle Leuchtkraft. Unweit der Grenzbrücke steht beidseits des Rheins eine flackernde Laterne im Austausch mit ihrem Gegenüber. Gottfried Keller, dessen romantisch-historische Novelle „Hadlaub“ nur einen Steinwurf entfernt ihren Anfang nimmt, hätte an diesem Kunstwerk wohl seine helle Freude gehabt. Wie zwei unglücklich getrennte Liebende harren die Laternen im sehnsüchtigen Zwiegspräch am Ufer aus. Oder sind wir etwa auf falscher Fährte? Werden wir gerade Zeugen der klandestinen Nachrichtenübertragung einer Schmugglerorganisation? Gut getarnt wäre die subtile, in die Umgebung eingebundene, ja mit ihr verwachsene Lichtinstallation auf jeden Fall. In welcher kryptischen Sprache auch immer die zwei unterschiedlichen Laternen flüstern, ihr Dialog scheint nicht abzureissen. Und durch diesen machen sie die Grenze nicht nur spürbar, sondern verweisen gleichzeitig auf die Voraussetzung für deren Überwindung.

Text: Alain Janzer

Antstanden anlässlich der Hochrheintriennale in Kaiserstuhl und Hohentengen
www.hochrheintriennale.eu

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